Timelines scheitern selten an einer einzelnen Verspätung — sie scheitern an fehlenden Gates. Charger OEM Timeline vom Brief zum Massenstart braucht Phasen, Kriterien und Puffer, sonst wird der Wunschtermin zur Retourenfalle.
Für Produktmanager: Phasenmodell EVT/DVT/PVT, Gate-Kriterien, Zertifizierungsabhängigkeiten, Puffer, Lieferantenkommunikation, Serienreife-Definition, Nachserienänderungen und eine Timeline-Vorlage.
Phasenmodell EVT DVT PVT
Jede Phase hat ein Lernziel — nicht nur ein Datum.
EVT: Machbarkeit und grobe Elektrik/Mechanik. DVT: Spec-Erfüllung und Abnahmekriterien. PVT: Serienprozess und Kennzeichnung unter Produktionsbedingungen. Überspringen erzeugt versteckte Nacharbeit. OEM: OEM & ODM. Referenz: Custom GaN.

| Phase | Lernziel | Exit-Kriterium (Beispiele) |
|---|---|---|
| Briefing | Scope klar | OEM/ODM-Pfad + Muss-Liste |
| EVT | Machbarkeit | kritische Risiken benannt |
| DVT | Spec met | Abnahmeprotokoll ohne Major |
| PVT | Prozessfähig | Kennzeichnung + Charge ok |
| Mass | Ramp | Ticketmonitoring aktiv |
Gate-Kriterien
Gates sind Unterschriften unter Evidenz, keine Meetings.
Je Gate: Elektrik, Thermik light, Kennzeichnung, offene Majors = 0. WECENT-QC (100 % Funktion, Aging) als Untergrenze spiegeln. QC: QC. CE/LVD: CE, 2014/35/EU.
Abhängigkeiten Zertifizierung
Dokumente und Prüfungen liegen auf dem kritischen Pfad.
Modellbindung, Steckervarianten, Claim-Freeze vor finalen Berichten. GPSR/ProdSG: GPSR, ProdSG. EMV: 2014/30/EU.
Puffer planen
Puffer gehören auf Zertifizierung, Packaging und Soft-Launch — nicht nur auf SMT.
Claim-Änderungen nach Freeze verbrennen Puffer zuerst. Common Charger: 2022/2380. Factory: Factory.

Kommunikation Lieferant
Ein Ansprechpartner-Set mit Eskalation schlägt Chat-Gruppen ohne Owner.
Wöchentlicher Status: Spec-Rev, offenen Majors, Sample-IDs, Dokumentenstand. MOQ-Orientierung 200 Stück/Modell für Ramp-Planung. USB-IF Compliance: Compliance.
Serienreife-Definition
Serienreife = stabile Prozessfähigkeit plus freigegebene Claims.
Nicht: „Muster sah gut aus.“ Ja: PVT ohne Major, Kennzeichnung sync, Support-Skript live. Produktsicherheit: EU Product Safety. DKE: DKE.
Nachserienänderungen
Nach SOP ist jede Änderung ein Change-Case.
Firmware, Gehäuse, Beipack, Claim. Major triggern Re-Gate. Bauteilnotes: TI, Infineon.
Timeline-Vorlage
Vorlage: Briefing → EVT → DVT → Dok/Pack → PVT → Soft-Launch → Mass.
Je Pfeil Owner und Puffer. Ads erst nach Soft-Launch-Gate. Services: Services.
Pufferrealität und Stakeholder-Management
Marketing-Termine sind Inputs, keine Gates. Kommunizieren Sie Exit-Kriterien früh. Wenn DVT Majors hat, verschiebt sich Mass — nicht die Spec-Wahrheit.
Steckervarianten staffeln: EU zuerst. Parallel UK/US/AUS erst nach stabiler DE-Linie. Sonst multiplizieren Sie PVT-Aufwand.
Soft-Launch-Kanäle begrenzen. Ticket-Tags von Tag eins. Ohne Tags keine Lernkurve.
Garantieprozess (2 Jahre laut Brief) vor Mass schulen. After-Sales ist Teil der Timeline, nicht Postskriptum.
Risikoregister: Zertifizierungsnachzug, Claim-Drift, Werkzeugbruch, Kabelengpass. Je Risiko Frühindikator.
Beispielhafte Gate-Exit-Listen
Gate Briefing: OEM/ODM-Pfad, Muss-Liste, Zielmärkte, Erfolgskriterien Soft-Launch. Gate EVT: kritische Risiken benannt, Grobmatrix, offene Majors-Plan. Gate DVT: Abnahme ohne Major, Claim-Rev gekoppelt, Thermik light dokumentiert. Gate Pack/Dok: Karton=Shop, DoC-Bezug, Beipack. Gate PVT: Charge/Prozess ok, Support-Skript live. Gate Mass: Ticketmonitoring, Escalation, Nachserien-Change-Board.
Jeder Exit braucht Artefaktlink. Meetingprotokoll allein genügt nicht.
Pufferregeln: Zertifizierung und Packaging je eigener Puffer. Claim-Änderung nach Freeze konsumiert Marketingpuffer zuerst und verschiebt Ads.
Lieferantenkommunikation: eine Statusvorlage. Ampeln. Keine parallelen WhatsApp-Wahrheiten. Eskalationspfad benannt.
Serienreife vs. Marketingreife: Fotos können früher laufen; Claims nicht. Trennung verhindert vorgezogene Versprechen.
Nachserien: Change-Board alle zwei Wochen in Ramp, monatlich danach. Majors stoppen Teilmengen.
Lessons Learned nach 90 Tagen Mass: Timeline-Ist vs Plan, Gate-Verletzungen, Ticketursachen. Template für nächstes SKU aktualisieren.
Ressourcen: PM owns Plan, QS owns Gates, Brand owns Claims, Einkauf owns kommerzielle Abrufe. Überlappungen schriftlich.
Timeline-Risiken und Gegenmaßnahmen
Risiko Claim-Drift: Freeze + Owner. Risiko Zertifizierungsnachzug: Puffer + modellbezogene Checkliste. Risiko Sample-Loop: Muss-Liste härten. Risiko Steckervielfalt: Staffelung. Risiko Support unready: Skript-Gate vor Mass. Risiko Packaging Makulatur: Legal vor Druck.
Frühindikatoren: offene Majors >0 nach DVT-Datum, Shop≠Karton Diff, fehlende DoC-Version im Ordner, Ticket-Tag-Quote im Soft-Launch.
Steering-Ampel wöchentlich in Ramp. Rot stoppt Ads und Abrufbreite. Gelb fordert CAPA. Grün erlaubt Breite.
Lieferanten-SLA qualitativ: Response-Zeiten auf Spec-Fragen, Sample-Turnaround-Klassen, Change-Notification. Ohne SLA keine Steuerbarkeit.
Postmortem Pflicht nach jedem Mass-Start. Template füllen. Nächstes Projekt startet nicht ohne Postmortem des letzten.
Ressourcenkonflikt Marketing vs QS: Escaliert an Steering mit Exit-Kriterien, nicht mit Stimmung.
Kapazitäts- und Sample-Kalender koppeln
Timeline ohne Sample-Kalender ist Illusion. Legen Sie EVT/DVT/PVT-Fenster gegen Werksfeiertage und Ihre Soft-Launch-Kanäle. Puffer nicht in denselben Wochen wie Packaging-Druckfinale legen.
Cross-Team Kalender: QS Gates, Brand Freeze, Einkauf Abruf, Support Schulung. Ein gemeinsames Board. Private Excel-Wahrheiten zerstören Gates.
Definition of Ready für Mass: Checkliste abhaken mit Artefaktlinks. Ready-Meeting 30 Minuten. Nein ist ein valides Ergebnis.
Ramp-Mengen qualitativ: nicht maximal, sondern lernfähig. MOQ-Blöcke gegen Ticketkapazität. Zu schnelle Breite maskiert Spec-Fehler hinter Volumen.
Change während Ramp: Freeze härter als in stabiler Serie. Nur Safety/Major. Nice-to-haves in Backlog nach 90 Tagen.
Vendor communication cadence: feste Slot-Zeiten. Ad-hoc nur für Majors. Cadence senkt Noise.
Erfolg: Plan-Ist-Delta < vereinbarter Schwelle und Ticketquote im Soft-Launch unter internem Limit. Dann Breite. Sonst nacharbeiten.
Template-Gantt qualitativ (ohne Scheindaten)
Zeilen: Briefing, EVT, DVT, Dok/Pack, PVT, Soft-Launch, Mass. Spalten: Woche 1…N als Platzhalter. Farben: Plan vs Ist. Kritischer Pfad markieren: Dok/Pack und Zertifizierung oft kritischer als SMT.
Dependency-Liste: Claim-Freeze vor finalem Bericht; Support-Skript vor Ads; Gold-ID vor PVT-Freigabe. Dependencies im Tool pflegen, nicht nur in Köpfen.
Meeting-Cadence: Gate-Reviews fest terminiert. Verschieben nur mit schriftlichem Risikoakzeptanz. Stille Verschiebungen zerstören Vertrauen zwischen Teams.
Lieferantensicht: dieselben Gates in gemeinsamer Sprache. Übersetzungsfehler in Statusreports sofort klären.
Ramp KPIs: Ticketquote, DOA, Kennzeichnungsfehler, Liefertermintreue. Ampel an Abrufbreite koppeln.
Wissensmanagement: Postmortem Pflichtfeld in Projektabschluss. Ohne Postmortem kein nächstes SKU-Kickoff.
Pufferverbrauch tracken: Welcher Puffer wurde wofür konsumiert? Muster zeigen Systemfehler (z. B. späte Claim-Änderungen).
Fazit
OEM-Timelines funktionieren mit Phasen, Gates und ehrlichen Puffern. Mass startet nach Evidenz — nicht nach Kalenderblatt.
FAQ
Kann man EVT überspringen?
Nur mit bewusst akzeptiertem Risiko. Ohne EVT fehlen oft kritische Machbarkeitsfunde, die später als teure DVT-Majors auftauchen.
Was unterscheidet DVT und PVT?
DVT prüft Spec am Designstand. PVT prüft, ob der Serienprozess inklusive Kennzeichnung denselben Stand liefert.
Wohin gehören Zertifizierungspuffer?
Auf den kritischen Pfad neben Packaging und Claim-Freeze — nicht nur als allgemeiner Projektschwamm.
Wann ist Massenstart erlaubt?
Wenn PVT ohne Major geschlossen ist, Claims synchron sind und Support-Monitoring steht.
