Wer Ladegeräte nach Japan verkauft, stößt auf ein Kennzeichen mit zwei Formen und auf Anforderungen, die sich nicht mit dem europäischen Vorgehen decken. Die Abkürzung PSE steht für das japanische Konformitätszeichen im Bereich der elektrischen Sicherheit. Dieser Beitrag erklärt, was geregelt wird, wie das Verfahren für Netzteile abläuft und welche Punkte in der Projektplanung zu klären sind.
Kurzantwort: Was ist die PSE-Zertifizierung?
Das japanische Konformitätszeichen für elektrische Produkte.
Es beruht auf dem japanischen Gesetz über elektrische Geräte und Materialien und kennt zwei Wege: eine Bewertung durch eine benannte Stelle oder eine Selbsterklärung des Herstellers.
Die beiden Wege werden über die Form des Kennzeichens unterschieden. Welcher Weg gilt, hängt von der Produktkategorie und den Nennwerten ab. Deshalb ist die erste Frage in jedem Projekt nicht, welches Zeichen aufgedruckt wird, sondern in welche Kategorie das konkrete Produkt fällt.
Für Ladegeräte und Netzadapter ist die Einordnung in der Regel die strengere Kategorie; die endgültige Zuordnung sollte vor der Zertifizierungsplanung mit einer benannten Stelle geklärt werden. Diese Klärung kostet wenig Zeit und entscheidet über den gesamten weiteren Ablauf.
Was das japanische Recht verlangt
Grundlage ist das japanische Gesetz über elektrische Geräte und Materialien. Das Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie beschreibt die Regelung als Instrument, um Gefahren und Störungen durch elektrische Geräte zu verhindern, indem Herstellung, Einfuhr und Verkauf solcher Produkte geregelt werden: METI zur Produktsicherheit.
Für Anbieter bedeutet das: Der Verkauf setzt voraus, dass das Produkt die Anforderungen der zutreffenden Kategorie erfüllt und die Kennzeichnung angebracht ist. Zuständig für die Bewertung sind in Japan benannte Konformitätsbewertungsstellen; die Japan Quality Assurance Organization führt diesen Status unter anderem für die elektrische Sicherheit und nennt die entsprechende Benennung durch das Ministerium auf ihrer Seite JQA.
Welche zwei Kennzeichnungswege es gibt
Der Unterschied zwischen den beiden Wegen betrifft die Frage, wer die Konformität feststellt. Im einen Fall prüft eine benannte Stelle das Produkt und erteilt die Bestätigung; im anderen Fall erklärt der Hersteller die Konformität selbst auf Grundlage eigener Prüfungen und Dokumente.
| Merkmal | Bewertung durch benannte Stelle | Selbsterklärung des Herstellers |
|---|---|---|
| Wer stellt fest? | eine benannte Stelle | der Hersteller |
| Dokumentation | Prüfbericht und Bestätigung | eigene Prüfunterlagen |
| Kennzeichnung | Kennzeichen mit zusätzlicher Angabe der Stelle | Kennzeichen ohne diese Angabe |
| Beispielhafte Eignung | Produkte der strengeren Kategorie | Produkte der einfacheren Kategorie |
Für den Einkauf ist die zweite Zeile entscheidend: Bei der Selbsterklärung trägt der Anbieter die Verantwortung für die Prüfunterlagen. Wer Ware einführt, sollte diese Unterlagen deshalb genauso prüfen wie die Kennzeichnung auf dem Gehäuse.
Wie das Verfahren für ein Netzteil abläuft
Der Ablauf beginnt mit der Einordnung und endet mit der Kennzeichnung. Dazwischen liegen Prüfungen, deren Umfang von der Kategorie abhängt.
- Produktkategorie und Nennwerte festhalten und die Zuordnung bestätigen lassen
- benannte Stelle auswählen und den Prüfumfang abstimmen
- Muster bereitstellen und technische Unterlagen zusammenstellen
- Prüfung durchführen lassen und Abweichungen abarbeiten
- Kennzeichnung und Dokumentation für die Serie festlegen
- Änderungen an Bauteilen oder Auslegung als zustimmungspflichtig vereinbaren
Der letzte Schritt ist der häufigste Grund für Probleme im Nachhinein. Wird ein Bauteil ausgetauscht, gilt die Bewertung nicht automatisch weiter; ohne Zustimmungspflicht entsteht eine Serie, die formal nicht mehr von der Bewertung gedeckt ist.

Welche Dokumente für den Import nötig sind
Für die Einfuhr sind Angaben erforderlich, die das Produkt und seinen Verantwortlichen identifizieren: Modellbezeichnung, Herstellerangaben, Prüfunterlagen und die Kennzeichnung selbst. Ergänzend hilft der Blick auf die Einfuhrregeln des Zielmarkts; für Japan veröffentlicht die Außenhandelsorganisation einen Überblick über Verfahren und Anforderungen: JETRO.
In der Praxis entstehen die meisten Rückfragen an der Schnittstelle zwischen Kennzeichnung und Verpackung. Die Kennzeichnung muss auf dem Produkt angebracht sein, während die Verpackung Angaben zu Modell, Hersteller und gegebenenfalls zur Vertriebsgesellschaft führt. Weichen beide voneinander ab, entsteht der Eindruck, es handele sich um unterschiedliche Produkte, und eine Prüfung wird aufwendiger als nötig.
Für den Einkauf ist deshalb hilfreich, die Kennzeichnung als Teil der Spezifikation zu behandeln: Wo wird welches Zeichen angebracht, in welcher Größe und mit welcher zusätzlichen Angabe? Diese Details lassen sich vor der Musterfreigabe festlegen und später nicht mehr ändern, ohne den Aufdruck neu zu produzieren.
Für Projekte ist es sinnvoll, die Unterlagen vollständig in einer Projektakte zu führen. Prüfberichte, Konformitätsunterlagen, Verpackungsangaben und Kennzeichnungsmuster gehören dazu, weil sie im Streitfall gemeinsam vorgelegt werden müssen.
Was PSE von CE, RoHS und CCC unterscheidet
Die Systeme unterscheiden sich nicht in der Zielsetzung, sondern im Verfahren und im Geltungsbereich. Die Übersicht ordnet die wichtigsten Kennzeichen ein, soweit sie für Ladegeräte typisch sind.
| Kennzeichen | Markt | Besonderheit |
|---|---|---|
| PSE | Japan | zwei Wege, abhängig von der Produktkategorie |
| CE | EU | Konformitätsbewertung durch den Hersteller, Dokumentation beim Hersteller |
| RoHS | EU | Stoffbeschränkungen, keine Sicherheitsbewertung |
| CCC | China | eigene Zulassung für den chinesischen Markt |
Für die Planung heißt das, die Anforderungen je Markt getrennt zu behandeln. Nach der Darstellung der EU-Kommission zur CE-Kennzeichnung stellt der Hersteller die Konformitätserklärung aus und legt die technische Dokumentation an; für Japan gilt der beschriebene Weg über die benannte Stelle oder die Selbsterklärung.
Ein zweiter Unterschied betrifft die Rolle der Prüfstelle. In der EU ist die Bewertung durch den Hersteller der Regelfall, während in Japan je nach Kategorie eine benannte Stelle beteiligt sein muss. Wer dieselbe Baureihe in beiden Märkten anbietet, plant deshalb zwei Dokumentationsstränge und eine gemeinsame technische Basis.
Typische Fehler und wie man sie vermeidet
Der erste Fehler ist die Annahme, eine bestehende EU-Zertifizierung decke den japanischen Markt ab. Der zweite ist eine Kennzeichnung, die nicht zur Kategorie passt. Der dritte Fehler betrifft die Serie: Ein geändertes Bauteil ohne erneute Bewertung führt dazu, dass die Kennzeichnung nicht mehr zutrifft.
- Kategorie vor der Musterfreigabe klären lassen
- Kennzeichnung und Verpackung je Markt getrennt festlegen
- Prüfunterlagen dem Modell und der Charge zuordnen
- Änderungen an Bauteilen als zustimmungspflichtig vereinbaren
- Dokumente in einer Projektakte bündeln
Diese Punkte sind unabhängig von der Stückzahl wirksam. Sie verhindern, dass eine Lieferung wegen formaler Abweichungen nicht verkauft werden darf.
Kosten und Zeitplan
Die Kosten hängen von der Kategorie und vom Prüfumfang ab; ein wesentlicher Teil entsteht durch die Musterbereitstellung und durch Nachprüfungen nach Abweichungen. Für die Planung ist deshalb sinnvoll, die Zertifizierung parallel zur Musterphase zu starten und nicht erst nach der Serienfreigabe.
Für Netzteile kommt eine weitere Anforderung hinzu, die in der EU gilt und die Auslegung beeinflusst: Die Ökodesign-Verordnung (EU) 2019/1782 nennt Anforderungen an die Energieeffizienz externer Netzteile. Wer dasselbe Modell in beiden Märkten anbietet, sollte diese Anforderung bereits in der Auslegung berücksichtigen.
Für OEM: Zertifizierungen einplanen
Für Projekte beginnt die Planung mit der Liste der Zielmärkte. Daraus ergeben sich die anzuwendenden Regelwerke, die Prüfstellen und der Zeitbedarf. Shenzhen Wecent Technology (Marke WECENT) fertigt GaN-Netzteile von 20 W bis 240 W und nennt für Projekte eine Mindestbestellmenge ab 200 Stück pro Modell, ein Qualitätssystem nach ISO 9001 und eine Garantie von zwei Jahren; die Zertifizierungen sind modellabhängig.
Für die Umsetzung stehen Prüfstellen wie TÜV Rheinland und UL Solutions bereit; für die Bewertung in Japan sind benannte Stellen erforderlich. Der Ablauf für Projekte ist unter OEM/ODM beschrieben, Hinweise zur Prüfung unter Qualitätskontrolle.
Für die Projektplanung ist damit eine kurze Liste ausreichend: Zielmärkte festhalten, Kategorien bestätigen lassen, Prüfstellen auswählen und die Kennzeichnung je Markt festlegen.
Wer diese vier Punkte vor der Musterfreigabe klärt, vermeidet Nacharbeit an Gehäuse, Aufdruck und Verpackung.

FAQ: pse zertifizierung japan
Was ist das PSE-Zeichen?
Es ist das japanische Konformitätszeichen für elektrische Produkte und beruht auf dem Gesetz über elektrische Geräte und Materialien. Es existiert in zwei Formen, die unterscheiden, ob eine benannte Stelle die Konformität festgestellt hat oder ob der Hersteller sie selbst erklärt. Welcher Weg gilt, hängt von der Produktkategorie und den Nennwerten ab.
Gilt eine CE-Kennzeichnung auch in Japan?
Nein. Die CE-Kennzeichnung betrifft den europäischen Markt, Japan führt ein eigenes Verfahren. Zwar ähneln sich die geprüften Eigenschaften, die Systeme sind aber nicht austauschbar: In Japan entscheidet die Produktkategorie darüber, ob eine benannte Stelle beteiligt sein muss. Für Projekte sind die Anforderungen deshalb getrennt zu planen.
Wer darf die Konformität in Japan feststellen?
Für den strengeren Weg sind in Japan benannte Konformitätsbewertungsstellen zuständig. Ein Beispiel ist die Japan Quality Assurance Organization, die ihre Benennung durch das zuständige Ministerium veröffentlicht und elektrische Sicherheit prüft. Für die einfachere Kategorie erklärt der Hersteller die Konformität selbst auf Grundlage eigener Prüfungen.
Was passiert bei einer Bauteiländerung?
Die Bewertung gilt nicht automatisch weiter. Wird ein Bauteil ausgetauscht oder die Auslegung verändert, kann eine erneute Prüfung erforderlich sein. Deshalb gehört die Zustimmungspflicht für Änderungen in die Vereinbarung. Ohne diese Regelung entsteht eine Serie, die formal nicht mehr von der Bewertung gedeckt ist.
Für eine Einschätzung, welche Nachweise für Japan und andere Zielmärkte nötig sind, lassen sich Produktdaten und Zielmarkt über das Kontaktformular übermitteln.
